Mit ‘Embargo’ getaggte Artikel

Georgien: Amphoren, alte Rebsorten, neue Leute, neue Weine

Mittwoch, 28. April 2010

Saperavi, Rkatsiteli und Mtsvane. Eigene Rebsorten, den Kaukasus, Amphoren-Weine und tausendjährige Tradition: Georgien hat eigentlich alles, was zu einem eigenständigen Profil im Reigen der Weinbau-Regionen gehört. Hier gibt es wirklich etwas zu entdecken – erfreulicherweise nicht die allgegenwärtigen Chardonnay, Cabernet und Merlot, wie sie weltweit angebaut werden. Die Georgier können zwischen 500 autochthonen Rebsorten wählen. Ein großer Teil der Weine wird mittlerweile mit moderner Technik produziert und entspricht internationalen Standards.

Eine neue Region, neue Rebsorten, neue Weinstile, neue Leute. Das sollte die Wein-Fans elektrisieren. Trotzdem sind georgische Weine bei uns so gut wie unbekannt. Im kleinen Georgien-Spezialisten-Kreis wird über den Amphoren-Ausbau gestritten, wird von der Wiege des Weinbaus geraunt und werden die Erlebnisse mit den Trinkhörnern zum besten gegeben . Ob das der richtige Weg ist? Auch die offizielle Website des georgischen Landwirtschaftsministeriums ist eher etwas für Insider. Die dargestellte Tradition dürfte kaum Lust aufs Kennenlernen und Probieren machen. Wenn dann ein deutscher Wein-Journalist auf der Prowein ein georgisches Mützchen aufsetzt, ist das ungefähr so, als würde ein Japaner in Lederhose auf der Messe in Tokio das neueste Modell von Mercedes Benz vorstellen.

Information tut not. Der gleiche Journalist hat sich darum schon große Verdienste erworben: als einer der ersten ist er vor Ort gewesen und hat darüber berichtet. In Georgien erinnert man sich gerne an seinen Besuch. Geschäftlich blieb er allerdings weitgehend ohne Folgen. Da in Deutschland so gut wie keine georgischen Weine distribuiert sind, wird nicht darüber berichtet. Und weil nicht darüber berichtet wird, beschäftigt sich niemand im Handel mit den Weinen.

Nachdem Russland vor drei Jahren ein Embargo verhängte, fielen 80% des Marktes weg.  Die Georgier selber setzen auf die verbliebenen traditionellen Märkte: Ukraine, die baltischen Staaten und Kasachstan. Für den europäischen Markt sehen sie sich noch nicht gerüstet: bei den niedrigen Preisen zum Beispiel in Deutschland meinen sie, nicht mithalten zu können. Trotz extrem niedriger Löhne ist Georgien kein Billig-Land für Wein: das Material muß teuer importiert werden. So kommen Flaschen zum Beispiel aus Bulgarien oder Rumänien über das Schwarze Meer, da es in Georgien keine Glashütte gibt. Die Transportkosten liegen bei 6.000 Euro pro LKW.  Ebenso müssen die Weine auf dem Land- und Seeweg über die Türkei und das Mittelmeer versandt werden. Bei Kleinmengen entstehen dadurch hohe Kosten.  Dazu kommt, daß Georgien zwar Mitglied im Europarat ist, die Weine aber als Herkünfte aus “Drittland” behandelt werden und mit Zoll belegt sind.

Eine funktionierende Gemeinschaftswerbung gibt es nicht. Die Stände bei der Prowein in den letzten Jahren wurden zum Teil durch Entwicklungshilfe-Organisationen (PPT download) zur Verfügung gestellt.

Welche Möglichkeiten hat georgischer Wein bei uns? Einzelne Betriebe sind zur Zeit dabei, Parker-Punkte, Medaillen und Auszeichnungen zu sammeln. Das gilt vielen als Nachweis internationalen Niveaus. Moderne Weine und Tradition müssen miteinander verknüpft und mediengerecht aufgearbeitet werden. Es werden neue Amphoren(Kvevri)-Keller angelegt. Spezialcuvees ein oder zwei Monate darin ausgebaut und mit Barrique verfeinert.

Die werden gemacht: die guten Betriebe sind nach ISO und IFS zertifiziert, es wird mit Öko-Anbau experimentiert und man macht sich über Nachhaltigkeits-Konzepte Gedanken. Fachkräfte werden zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der Hochschule Heilbronn ausgebildet.

In der Kommunikation sind die einzelnen Betriebe gefordert: neben dem Aufbau der Distribution wären klassische und Internet-PR wichtig. Eine gemeinschaftliche Anstrengung mehrer großer Betriebe könnte auch mit einem kleinen Etat viel bewegen. In der Tat haben die Georgier recht, wenn sie sagen, niemand habe auf Georgien gewartet. Doch wenn sie selbst nicht aktiv werden, bleiben Saperavi, Rkatsiteli und Mtsvane auch weiterhin bei uns unbekannt.

Quelle: Weinakademie Berlin

Georgische Winzer suchen neue Märkte

Freitag, 12. März 2010

wein_nach_europaEinen Platz unter der Sonne suchen auch die georgischen Winzer. Der einzige Ausweg sind die Märkte Europas und der USA. Wie erfolgreich das Land den Weinexport durchführt, untersuchte Marika Dschologua.

Die georgischen Winzer und Alkoholproduzenten mussten sehr hohe Verluste bezüglich des russischen Embargos hinnehmen. Dabei verlor Georgien 80% des Exportmarktes. Wir erinnern, dass 2006 der Einfuhr und Vertrieb georgische Produkte in Russland verboten wurden.

„Die ersten Jahre war es wirklich schwer einen Ersatz-Markt in der Größe zu finden. Jedoch heute haben wir die Möglichkeit auf den Europäischen Märkten und in den USA unsere Produkte zu vertreiben. Dazu arbeiten wir mit den früheren Abnehmern – Ukraine, Weißrussland, Kasachstan zusammen“, – teilte die Vertreterin des Ministeriums der wirtschaftlichen Entwicklung Georgiens Marina Matscharischwili.

Doch einige Weinproduzenten sind da anderer Meinung. Ihren Worten nach, unter den Bedingungen solch harten Konkurrenz, ist es sehr kompliziert einen Platz unter der Sonne zu erobern.

„Wir verfügen nicht über erforderlichen Kenntnisse für die Vermarktungspolitik“ – sagt der Winzer Bacho Hezuriani.

Aber es gibt auch erfreuliche Fakten. Laut der Meinungen der Winzer, existieren  in Georgien  Terroir  für die Produktion der Weine des hohen Niveaus. Es sind die Böden die es möglich machen qualitative Weintrauben zu züchten. Man muss nur die richtige Vermarktungspolitik entwickeln.

„Hätte der sowjetische Konsument solch eine große Auswahl gehabt wie heutzutage, dann wäre der georgische Wein nicht so beliebt“ – sagt Bacho Chezuriani.

Die Meinungen über die Exportländer für die georgischen Weinprodukte gehen weit auseinander. Aber das die Georgier mehr eigene Weine bevorzugen, da sind sich die Winzer einig. Da eine Flasche des guten Getränks im Durchschnitt bei 15 Euro liegt, kann sich bei weitem nicht Jeder leisten.