Archiv für die Kategorie ‘Georgien im Web’

Russland: Mineralwasser Borzhomi und georgischer Wein können auf die Ladentische zurückkehren

Montag, 10. Mai 2010

borjomi_weinDer Stellvertreter Chef von Minpromtorg Wladimir Salamatow erklärte, dass das Moratorium auf Verkauf einiger Waren auf der Hoheitsgebiet Russlands sich ab dem 1. Juli dieses Jahres ändern wird. Kaum werden die Normen des Zollgemeinschaft in Kraft treten, wird Rospotrebnadsor das Recht verlieren, die Situation zu kontrollieren. Die Ausnahme werden die Waren bilden, die eine Bedrohung für die Bevölkerung darstellen, dabei soll die Bedrohung vom wissenschaftlichen Standpunkt bewiesen sein.

Damit Georgien keinen Wein nach Russlands liefern kann, ist die Absage vom Erwerb der georgischen Weine seitens Weißrusslands und Kasachstans notwendig. Jedoch wird in Weißrussland und Kasachstan der georgische Wein frei verkauft.

Nichtsdestoweniger kann Russland die Einfuhr der politisch unerwünschten georgischen Weine über das Meer verbieten, wenn die Zollabfertigung der Produktionen jedoch in Weißrussland erfolgen wird, kann nichts den georgischen Weinen im Wege stehen, nach Russland zu gelangen.

Man bespricht noch keine mögliche Eröffnung bzw. Freigabe des russischen Marktes in Georgien. So hat der Vizepräsident des Herstellers Botzhomi (Borjomi) Lewon Bagdawadse erklärt, die Gesellschaft konzentriere sich zurzeit auf die Entwicklung anderer Schlüsselmärkte. Das Mineralwasser wird nach Weißrussland und Kasachstan geliefert, und in der Gesellschaft denkt man noch an keine Erneuerung der Lieferungen der Produktion nach Russland über Weißrussland oder Kasachstan.

Quelle: Marktforschung Russland

Georgien: Amphoren, alte Rebsorten, neue Leute, neue Weine

Mittwoch, 28. April 2010

Saperavi, Rkatsiteli und Mtsvane. Eigene Rebsorten, den Kaukasus, Amphoren-Weine und tausendjährige Tradition: Georgien hat eigentlich alles, was zu einem eigenständigen Profil im Reigen der Weinbau-Regionen gehört. Hier gibt es wirklich etwas zu entdecken – erfreulicherweise nicht die allgegenwärtigen Chardonnay, Cabernet und Merlot, wie sie weltweit angebaut werden. Die Georgier können zwischen 500 autochthonen Rebsorten wählen. Ein großer Teil der Weine wird mittlerweile mit moderner Technik produziert und entspricht internationalen Standards.

Eine neue Region, neue Rebsorten, neue Weinstile, neue Leute. Das sollte die Wein-Fans elektrisieren. Trotzdem sind georgische Weine bei uns so gut wie unbekannt. Im kleinen Georgien-Spezialisten-Kreis wird über den Amphoren-Ausbau gestritten, wird von der Wiege des Weinbaus geraunt und werden die Erlebnisse mit den Trinkhörnern zum besten gegeben . Ob das der richtige Weg ist? Auch die offizielle Website des georgischen Landwirtschaftsministeriums ist eher etwas für Insider. Die dargestellte Tradition dürfte kaum Lust aufs Kennenlernen und Probieren machen. Wenn dann ein deutscher Wein-Journalist auf der Prowein ein georgisches Mützchen aufsetzt, ist das ungefähr so, als würde ein Japaner in Lederhose auf der Messe in Tokio das neueste Modell von Mercedes Benz vorstellen.

Information tut not. Der gleiche Journalist hat sich darum schon große Verdienste erworben: als einer der ersten ist er vor Ort gewesen und hat darüber berichtet. In Georgien erinnert man sich gerne an seinen Besuch. Geschäftlich blieb er allerdings weitgehend ohne Folgen. Da in Deutschland so gut wie keine georgischen Weine distribuiert sind, wird nicht darüber berichtet. Und weil nicht darüber berichtet wird, beschäftigt sich niemand im Handel mit den Weinen.

Nachdem Russland vor drei Jahren ein Embargo verhängte, fielen 80% des Marktes weg.  Die Georgier selber setzen auf die verbliebenen traditionellen Märkte: Ukraine, die baltischen Staaten und Kasachstan. Für den europäischen Markt sehen sie sich noch nicht gerüstet: bei den niedrigen Preisen zum Beispiel in Deutschland meinen sie, nicht mithalten zu können. Trotz extrem niedriger Löhne ist Georgien kein Billig-Land für Wein: das Material muß teuer importiert werden. So kommen Flaschen zum Beispiel aus Bulgarien oder Rumänien über das Schwarze Meer, da es in Georgien keine Glashütte gibt. Die Transportkosten liegen bei 6.000 Euro pro LKW.  Ebenso müssen die Weine auf dem Land- und Seeweg über die Türkei und das Mittelmeer versandt werden. Bei Kleinmengen entstehen dadurch hohe Kosten.  Dazu kommt, daß Georgien zwar Mitglied im Europarat ist, die Weine aber als Herkünfte aus “Drittland” behandelt werden und mit Zoll belegt sind.

Eine funktionierende Gemeinschaftswerbung gibt es nicht. Die Stände bei der Prowein in den letzten Jahren wurden zum Teil durch Entwicklungshilfe-Organisationen (PPT download) zur Verfügung gestellt.

Welche Möglichkeiten hat georgischer Wein bei uns? Einzelne Betriebe sind zur Zeit dabei, Parker-Punkte, Medaillen und Auszeichnungen zu sammeln. Das gilt vielen als Nachweis internationalen Niveaus. Moderne Weine und Tradition müssen miteinander verknüpft und mediengerecht aufgearbeitet werden. Es werden neue Amphoren(Kvevri)-Keller angelegt. Spezialcuvees ein oder zwei Monate darin ausgebaut und mit Barrique verfeinert.

Die werden gemacht: die guten Betriebe sind nach ISO und IFS zertifiziert, es wird mit Öko-Anbau experimentiert und man macht sich über Nachhaltigkeits-Konzepte Gedanken. Fachkräfte werden zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der Hochschule Heilbronn ausgebildet.

In der Kommunikation sind die einzelnen Betriebe gefordert: neben dem Aufbau der Distribution wären klassische und Internet-PR wichtig. Eine gemeinschaftliche Anstrengung mehrer großer Betriebe könnte auch mit einem kleinen Etat viel bewegen. In der Tat haben die Georgier recht, wenn sie sagen, niemand habe auf Georgien gewartet. Doch wenn sie selbst nicht aktiv werden, bleiben Saperavi, Rkatsiteli und Mtsvane auch weiterhin bei uns unbekannt.

Quelle: Weinakademie Berlin